Mystik heute

… Sublime Materialität prägt das Werk der Düsseldorfer Fotografin Natascha Borowsky. Sie schafft fotografische Portraits von organischen oder unbelebten Fundstücken und verhilft diesen unbeachteten Preziosen des Wegrandes zu einer Apotheose. Ihre „Wandlung“ geschieht durch die vollendete Inszenierung: Die Findlinge werden ihres eigentlichen Kontextes enthoben und auf speziell gefertigte Fonds aus Milch und Stärke, die individuell mit Gewürzen oder Farbpigmenten
angereichert sind, aufgebahrt. Durch die Präzision des Fotoabzugs und die Potenzierung der realen Größe transzendiert Borowsky die Fundstücke zu ikonenhaften Bildern zeitgenössischer Reliquien.
In faszinierter Neugierde sucht der Betrachter das Geheimnis ihrer Aura zu entschlüsseln, doch die Bilder entfalten mit ihrer Vergegenwärtigung des Unbekannten ein differenziertes Spiel von Körperlichkeit und Erscheinung. Die Objekte auf den Fotos könnten alchemistische Vergoldungen (o.T., 2006/3) oder Fragmente uralter Kruzifixe sein (o.T., 2005/17), doch entziehen sie sich der eindeutigen Identifikation.

Elke Kania, museum franz gertsch, in dem Katalog (Benteli Verlag, Bern) zur Ausstellung: the sublime is now! das erhabene in der zeitgenössischen Kunst, museum franz gertsch, Burgdorf, Schweiz,
1.4. bis 30.7.2006, kuratiert von Elke Kania und Dr. Reinhard Spieler